Costa Rica – Steuerparadies, Ökoland, Bananenrepublik?

Ist Costa Rica ein Steuerparadies, ein Ökoland oder nur eine Bananenrepublik? Oder alles zusammen? Wahrscheinlich ein bisschen von allem.

Wie viel muss gezahlt werden?

Nur die Einnahmen, die im Land erwirtschaftet werden, werden versteuert.

Verschont werden Einkünfte aus ausländischen Geschäften. Die Kontrollen halten sich im Rahmen.

Wenn man sich eine Steuerbehörde in der Provinz anschaut und mit einer in einer beliebigen deutschen Stadt vergleicht, bekommt man einen Eindruck. Natürlich braucht der Geschäftsmann auch in Costa Rica einen Steuerberater.

Wenn ein Grundstück gekauft werden soll, wird der Grundstückswert geschätzt, oder durch einen Notar angegeben. Die Steuer liegt aktuell bei 3-4% des Schätzwertes. Da im Moment die Preise im Keller sind, bietet sich jetzt eine gute Gelegenheit zuzuschlagen.

Die Schweiz ist teuer, die Schweiz Mittelamerikas auch

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Costa Rica eines der teuersten Länder in Zentral- und Südamerika ist. Nur das alles hängt auch von den eigenen Ansprüchen ab. Wenn man durch die Dörfer fährt, deutet nichts auf reiche Leute hin die hier wohnen sollen.

Wenn man außerdem auf dem Markt einheimische Produkte kauft, wie z.B. Papaya, Melonen, selbst gemachten Käse oder Mangos, zahlt man Preise, von denen man in Deutschland nur träumen kann. Auch der Fisch vom heimischen Fischer ist vergleichsweise billig und von der Qualität wollen wir hier gar nicht sprechen.

Bananenstaude in Costa Rica
Der Exportschlager Costa Ricas

Die medizinische Versorgung ist auch bezahlbarer als in Europa und in den USA.

Anspruchsvolle Einwanderer sollten aber schon mit ca. 1.000 – 1.200 Euro pro Monat rechnen.

Steuerparadies und Geldwäsche

Wenn jemand in Costa Rica ein Geschäft eröffnen will, muss er in Costa Rica auch Steuern zahlen. Bisher wurde das moderat behandelt. Ab dem 1. Oktober 2018 wurde eine elektronische Rechnungsbearbeitung eingeführt, womit aber scheinbar viele Firmen und Behörden organisatorisch überfordert sind.

Andere Dimensionen

In Deutschland waschen Kriminelle, so schätzt man für 2018 mehr als 100 Milliarden Euro. Und wenn sie erwischt werden, können sie oft ihr Geld behalten. Auch Großbritannien hat nach Schätzungen zufolge, allein in den vergangenen zehn Jahren (Stand 2018), 68 Milliarden Pfund aus russischen Quellen in den britischen Steueroasen deponiert.

Russische und andere Oligarchen quartierten sich in den teuersten Vierteln Londons ein, kauften kräftig ein. Unter anderem Fußballklubs und investierten Millionen.

Vulkane, Regenwälder, Palmen und Traumstrände

Kaum ein anderes Land auf der Welt hat einen so großen Naturreichtum zu bieten wie Costa Rica, wobei ein Teil der Arten noch unbekannt ist. Schätzungen gehen davon aus, dass erst 15% des Reichtums von Forschern erkundet wurden. Sicher ist es das abwechslungsreichste Land Mittelamerikas und höchstwahrscheinlich auch das sauberste.

Das Meer in der Ferne, hinter Costa Ricas Regenwald
Der Pazifik halb verdeckt vom Regenwald

Fast 30% der Fläche Costa Ricas stehen unter Naturschutz. Die Umweltschutzgesetze sind verstärkt worden, aber die Kontrolle durch die Umweltbehörde MINAE (Ministerio de Ambiente y Energía) gestaltet sich oft als schwierig.

Politische Stabilität und sozialer Frieden

Costa Rica hat sich von der Bananen- und Kaffeerepublik zu einer modernen Industriegesellschaft entwickelt. Mit allen Vor-und Nachteilen, obwohl Costa Rica immer noch der zweitgrößte Bananenexporteur der Welt ist. Kaffee und Ananas sind ebenfalls Exportschlager.

Aber mittlerweile werden in Costa Rica auch Computer-Chips und elektronische Geräte für den medizinischen Gebrauch im nennenswerten Rahmen hergestellt. Auch der Ökotourismus ist ein großer wirtschaftlicher Faktor geworden.

Demokratie wird in Costa Rica groß geschrieben, immerhin wurde hier in 2011 der konservative ehemalige Staatschef Miguel Ángel Rodríguez (von 1998 bis 2002) wegen Korruption zu fünf Jahren Haft verurteilt. Danach wurde die Situation deutlich besser, und Costa Rica gilt in Mittelamerika als Land mit der geringsten Korruption.

Der letzte Präsident Luis Guillermo Solís versprach dem Volk eine „moralische Revolution“. Und man will auch im Jahr 2018 unter dem Präsidenten Carlos Alvarado Quesada die Korruption und Ungleichheit bekämpfen. Allerdings treibt in den Provinzen immer noch der eine oder andere Bürgermeister oder Beamte des Gesundheitsministeriums seine Eskapaden, nicht immer zum Wohl der Allgemeinheit. 

Da können andere Länder und Firmen nur von träumen. Wenn einem dazu der Vergleich zu Fifa-Präsident Joseph Blatter einfällt, oder unser lieber Franz Beckenbauer, der erahnt wie schwierig das ganze verästelte System geworden ist. Die Zeitung DIE WELT stellte in einem Wirtschaftsartikel fest, dass deutsche Firmen fast so korrupt sind wie nigerianische.

Auswandern wenn jetzt nicht, wann dann?

Mein Fazit ist, dass Costa Rica ein interessantes Land für Auswanderer ist – mit viel Natur, freundlichen Leuten und einem interessanten Steuersystem.

Gastautorin Jana Hernandez

Adressen für Auswanderer

  • Deutsche Botschaft in San José

Torre La Sabana 8. Etage

Av. de las Américas, calle 60

Del ICE 300 metros oeste

Sabana Norte, San José

+506 2290 9091

  • Botschaft der Republik Costa Rica | Berlin

Dessauer Str. 28

10963 Berlin

(0 30) 2 63 98 99-0

Informationen im Internet

Costa Rica Geschichte, Umwelt und Natur

Deutsche Firmen fast so korrupt sind wie nigerianische

Letzte Aktualisierung 16.10.2018